Kulturkampf als Nabelschau – die deutsche Literaturwelt und Gaza.

Eine Diskussion über die Unfähigkeit zu streiten und die Notwendigkeit intellektueller Orientierung

Auf Deutsch

22. März 2026, 15:00 – 17:00

Leipziger Messe GmbH
Messe-Allee 1, 04356 Leipzig

Was seit zweieinhalb Jahren in Gaza passiert, hat den Literaturbetrieb in Deutschland gespalten. Die einen beklagen ein „feiges Schweigen gegenüber einem anhaltenden Genozid an den Palästinenser:innen“, die anderen kritisieren „mangelnde Solidarität mit dem existenziell bedrohten Staat Israel“. Im Kern geht es dabei nicht um den Schutz jüdischen Lebens oder den Kampf gegen Antisemitismus – beides ist in Deutschland unstrittig – sondern um den Blick auf Israel.

Sieht man in Israel „den Juden unter den Staaten“, dem Deutschland aus historischer Verantwortung bedingungslose Solidarität schuldet? Ist Israel einfach nur ein Land, das sich wie jedes andere an das Völkerrecht halten muss? Oder betrachtet man Israel als Staat, der auf Unrecht gebaut wurde und in seiner heutigen Form als „ethno-nationalistischer Apartheid-Staat“ kein enger Verbündeter mehr sein kann, gerade wenn man die Lehren aus dem Holocaust ernst nimmt?

Entsprechend unterschiedlich positionieren sich Autor:innen, Verlage, Festivals, Verbände. Braucht es gegenüber Israel deutlichere Kritik oder mehr Solidarität? Warum werden palästinensische und palästinasolidarische Stimmen so wenig gehört, zum Teil diskreditiert und diffamiert? Sollten deutsche Schriftsteller:innen ihre Stimme erheben, um auf der Grundlage der deutschen Geschichte ein „Nie wieder für alle egal wo“ zu postulieren oder eine besondere Verantwortung für den jüdischen Staat Israel anzumahnen? Richten sie ihren intellektuellen Kompass am Völkerrecht oder an der Staatsräson aus?

Die Fronten sind verhärtet, manche sprechen von Kulturkampf. Statt über Tatsachen vor Ort zu diskutieren und respektvoll zu streiten, tabuisiert man Wörter und beschäftigt sich mit sich selbst. Man schreibt offene Briefe, zieht sich zurück, erklärt seinen Austritt, sagt Lesungen oder Preisverleihungen ab oder ruft zum Boykott auf.

Das Panel diskutiert, warum es ausgerechnet Literaten nicht gelingt, Kontroversen mit Worten auszutragen, und was aus der selbstverordneten Stummheit heraushelfen könnte. Was braucht der Literaturbetrieb, um verengte Diskursräume wieder zu öffnen und auf der Grundlage von Menschenrechten gesellschaftliche Orientierung auch beim Thema Israel und Palästina zu bieten?

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