Jedes Jahr am 24. April erinnern Armenier weltweit an den Völkermord, bei dem ab 1915 die armenische Bevölkerung des Osmanischen Reiches systematisch vernichtet und vertrieben wurde. Er ist einer der am besten dokumentierten Völkermorde der modernen Geschichte. Auch in den Akten des Auswärtigen Amtes finden sich Belege für die Gräueltaten, denn das Deutsche Kaiserreich – Verbündeter der Türkei im Ersten Weltkrieg – hatte Militärberater zur Unterstützung entsandt, die in die Entscheidungen der türkischen Machthaber eingebunden waren.
Die Täter und ihre Unterstützer wurden nie zur Rechenschaft gezogen, die Türkei erkennt den Völkermord bis heute nicht an. Einer der Haupttäter, Innenminister Talat Bey, entzog sich der Strafverfolgung, indem er nach Deutschland floh und in Berlin Schutz fand.
Die verheerenden Massaker an den Armeniern inspirierten Raphael Lemkin, einen polnisch-jüdischen Juristen, in den 1940er Jahren den Begriff ‚Genozid‘ zu prägen. Seine Arbeiten erhielten durch die Vernichtung der europäischen Juden durch Nazideutschland zusätzliche Dringlichkeit und führten schließlich 1948 zur Verabschiedung der Genozidkonvention durch die UN. Diese konnte jedoch weitere Völkermorde und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht verhindern – vom Biafrakrieg über Jugoslawien, Ruanda, die Rohyingya in Myanmar, die Jesiden, Sudan und Gaza.
Im September 2023 wurden die Armenier erneut Opfer von Massenvertreibungen, als Aserbaidschan eine Militäroffensive gegen Artsakh (Nagorno-Karabach) startete, einer armenischen Enklave in Aserbaidschan. Daraufhin floh innerhalb einer Woche fast die gesamte armenische Bevölkerung von über 100.000 Menschen nach Armenien. Auch in Jerusalem ist die armenische Gemeinde mit gewaltsamen Angriffen jüdischer Siedler konfrontiert. Das Panel diskutiert über Muster, die diese Gräueltaten über Zeit und Geografie hinweg verbinden und über die Folgen von Leugnung und Straffreiheit. Wie bestimmen Waffenverkäufe, geopolitische Allianzen und Energieinteressen, welche Leben geschützt und welche ignoriert werden? Und welche Verpflichtungen ergeben sich für Deutschland aus historischen Verstrickungen jenseits der Anerkennung?

