Liebe Freunde,
warum spielt Michael Barenboim nicht nur Bachsonaten? Warum spricht Sami Khatib nicht mehr von Antisemitismus, wenn es um Judenhass geht? Warum ist für Susan Neiman Gaza das neue Vietnam? Und warum muss gerade der deutsche Staat laut Kathrin Peters staatskritische Kunst und Kultur finanzieren? Darüber haben wir letzte Woche in Hamburg gesprochen, aber bevor wir zurückblicken, schauen wir nach vorne.
Diese Woche stehen gleich zwei Zeit zu reden– Veranstaltungen an. Zunächst sind wir wieder in Berlin. Da geht es am Donnerstag (19.03.2026) um Protestbewegungen weltweit und die Frage, wie sie voneinander lernen und gemeinsam mobilisieren können statt um Aufmerksamkeit und Solidarität zu konkurrieren. Das Panel wird von der SZ-Redakteurin Sonja Zekri moderiert.
Und am Sonntag (22.03.2026) sind wir zu Gast bei der Leipziger Buchmesse, wo wir über Deutschlands Literaturwelt und den Umgang mit Israel und Palästina sprechen, moderiert von Kristin Helberg.
Zeit zu reden: Kampf um Aufmerksamkeit.
Mit Dilara Lorin, Gilda Sahebi, Tareq Sydiq und Anna Younes.
Moderiert von Sonja Zekri
Datum: 19. März 2026, 19:00 – 22:00
Ort: Spore Initiative, Hermannstraße 86, 12051 Berlin
Eintritt frei
Zeit zu reden: Kulturkampf als Nabelschau – die deutsche Literaturwelt und Gaza
Mit: Esther Dischereit, Tobias Haberkorn, Nora Haddada .
Moderiert von Kristin Helberg
Datum: 22. März 2026, 15:00 – 17:00
Ort: Leipziger Messe GmbH, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig
Eintritt: Ticket
Zurück zu Hamburg. In der Theaterfabrik Kampnagel haben wir am 10.03. über den deutschen Kulturbetrieb und Gaza diskutiert und ein fantastisches Publikum erlebt: Mehr als 200 Menschen – interessiert, kritisch und engagiert – haben zugehört und anschließend ihre Erfahrungen geteilt und mitdiskutiert. Großer Dank an das Team von Kampnagel für die professionelle Zusammenarbeit und das schöne Setting.
Mit dabei waren auch Kollegen vom Hamburger Abendblatt und von DLF-Kultur, wir freuen uns über das Interesse (ihre Berichte finden sich auf unserer Webseite). Weil manche offensichtlich mehr Kontroverse erwartet hatten, hier eine paar Sätze zu dem, was wir bei Zeit zu reden machen.
Unsere Diskussionen dienen nicht der Inszenierung von Streit, sondern dem konstruktiven Austausch. Bei vielen Themen geht es nicht um möglichst konträre Meinungen, sondern darum, dass unsere Panelist:innen aus verschiedenen Perspektiven auf ein Thema schauen, das dadurch mehr Tiefgang und Schärfe bekommt. Dabei können sie durchaus ähnliche Schlussfolgerungen ziehen, denn im Mittelpunkt stehen bei uns menschenrechtlich begründete Sichtweisen und faktenbasierte Analysen. Wir wollen also gerade nicht diejenigen Positionen reproduzieren, die ohnehin den öffentlichen Diskurs dominieren, sondern zeigen, dass Expert:innen mit sehr unterschiedlichem Profil zu anderen Ansichten kommen.
Für die Veranstaltung in Hamburg bedeutete das, dass wir keinen Kulturschaffenden auf der Bühne hatten, der Palästinafahnen und Kufiyas für „Israel-Hass“ hält oder die heimliche Überprüfung von Fördergeldempfängern durch den Verfassungsschutz befürwortet. Dafür gab es eine Diskussion darüber, ob es sich noch lohnt, um die Deutungshoheit des Antisemitismusbegriffs zu streiten und was unkündbare Professor:innen davon abhält, sichtbar und laut für Kunst- und Wissenschaftsfreiheit einzutreten.
Falls Sie die bisherigen Podiumsdiskussionen verpasst haben (u.a. zu den Themen Staatsräson, Antisemitismus, Polizeigewalt, Muslime in Deutschland, Völkerrecht, Erinnerungskultur, Recht auf Widerstand, Palästinasolidarität, Genozid, Zivilgesellschaft sowie Sanktionen und Boykotte), können Sie diese auf unserem YouTube-Kanal Youtube-Link anschauen.
Weitere Informationen zu unserer Arbeit finden Sie auf unserem Instagram-Account und unserer Website www.zeitzureden.org.
Auch diese Woche freuen uns wieder auf neue und vertraute Gesichter – in Berlin und in Leipzig.
Herzlich grüßt das
Zeit zu reden Team
Ido Arad, Haig Ghokassian & Kristin Helberg

