Liebe Freunde,
eine intensive und erkenntnisreiche Woche mit einer deutschen und einer englischsprachigen Veranstaltung liegt hinter uns.
Vergangenen Samstag (14.02.) war Zeit zu reden zu Gast bei der Münchner Friedenskonferenz. Mit Khaled El Mahmoud, Isabel Feichtner, Deborah Feldman und Shir Hever diskutierten wir über Sanktionen und Boykotte, erst grundsätzlich und unter völkerrechtlichen Aspekten, dann aus jüdischer Sicht und mit Blick auf Israel. Etwa 300 Leute hörten aufmerksam und interessiert zu, die Rückmeldungen waren begeistert. Wie schön, dass Zeit zu reden auch in München so gut funktioniert – wir kommen wieder! Nachzuschauen ist die Veranstaltung hier: https://youtu.be/gaFMXyA9FuU
Am Donnerstag (19.02.) ging es in Berlin mit internationalen Gästen noch konkreter um die Möglichkeiten, mit dem Mittel von Boykotten, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) Druck auf die israelische Regierung aufzubauen – nicht als Selbstzweck, sondern als Strategie, um Israel zur Einhaltung völkerrechtlicher Verpflichtungen und Normen zu bewegen. Ein wichtiges Ziel gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, wenn man die Lehre aus dem Holocaust universell versteht als ein „Nie wieder für alle“.
Antisemitisch ist an der BDS-Strategie nichts, boykottiert werden lediglich staatliche Institutionen und deren Vertreter:innen, keine Individuen aufgrund ihrer Identität als Juden oder Israelis. Die Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus (JDA) ist in diesem Punkt deshalb klar: „Boykott, Desinvestition und Sanktionen sind gängige, gewaltfreie Formen des politischen Protests gegen Staaten. Im Falle Israels sind sie nicht per se antisemitisch.“
In Deutschland ist BDS übrigens nicht verboten, auch wenn verschiedene Akteure versuchen, jegliche differenzierte Auseinandersetzung mit BDS zu verhindern. Uns ist es dennoch gelungen, darüber zu diskutieren, und das ist gut so in Zeiten, in denen sich die Mehrheit der Deutschen eine andere Politik gegenüber Israel wünscht, während die Bundesregierung weiter Waffen liefert und die militärische Zusammenarbeit mit Israel intensiviert – einem Staat, der wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sogar Genozid angeklagt ist.
Andrew Feinstein, der als weißer jüdischer Südafrikaner mit dem African National Congress (ANC) unter Nelson Mandela gegen das Apartheid-Regime gekämpft hat, ordnete die Bedeutung von BDS damals ein und sprach über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Fällen. Neve Gordon, jüdisch-israelischer Völkerrechtsprofessor, erklärte den Sinn von akademischen Boykotten und warum er diese für entscheidend hält. Und Sophia Hoffinger vom European Legal Support Center (ELSC) berichtete über die vielfältigen Versuche, BDS in Deutschland zu kriminalisieren. Ein auch wegen der persönlichen Erfahrungsberichte unserer Gäste absolut sehenswertes Panel: https://www.youtube.com/watch?v=gaFMXyA9FuU
Zum Schluss ein kurzer Ausblick auf unsere drei Veranstaltungen im März (Einladungen folgen):
Am 10. März sind wir zu Gast bei Kampnagel in Hamburg mit dem Thema „Abwesend, erstarrt, verstummt – der deutsche Kulturbetrieb und Gaza“.
Am 19. März diskutieren wir in der Berliner Spore über Protestbewegungen weltweit, Strategien der Mobilisierung und Lehren aus der Palästinasolidarität.
Am 22. März sind wir eingeladen auf der Leipziger Buchmesse und sprechen über „Kulturkampf als Nabelschau – die deutsche Literaturwelt und Gaza“.
Weitere Informationen und die Möglichkeit, unsere Arbeit mit einer Spende zu unterstützen, finden Sie auf www.zeitzureden.org. Alle bisherigen Veranstaltungen zum Anschauen gibt es auf unserem YouTube-Kanal https://www.youtube.com/@ZeitZuReden. Und wer nichts verpassen möchte, folgt uns am besten auf Instagram unter @zeit_zu_reden.
Herzlich grüßt das
Zeit zu reden Team
Ido Arad, Haig Ghokassian & Kristin Helberg

