Liebe Freund:innen,
warum machen deutsche Politiker:innen außenpolitisch nicht das, was ihre Wähler:innen sich wünschen? Diese Frage stellt sich immer dringender – vor allem, aber nicht nur im Konflikt Israel/Palästina. Umfragen ergeben regelmäßig das gleiche Bild: Die Menschen stehen Deutschlands Verbündeten deutlich kritischer gegenüber als ihre politischen Vertreter. Besonders gegenüber Israel wünscht sich eine deutliche Mehrheit mehr Zurückhaltung, auch die USA unter Trump halten die meisten für keinen vertrauenswürdigen Partner mehr.
Im Vorfeld unserer letzten Veranstaltung („Propaganda, Public Diplomacy und die Rolle der Medien“) haben wir deshalb per Umfrage ermittelt, wie Menschen in Deutschland die Unabhängigkeit von Medien und Politik beurteilen. Wie anfällig sind diese ihrer Meinung nach für Einflussnahme aus dem Ausland, also für die Propaganda (so die Wissenschaft, in Deutschland spricht man lieber von Public Diplomacy, Öffentlichkeitsarbeit und strategischer Kommunikation) anderer Regierungen? Die Ergebnisse finden Sie hier, sie sind nicht repräsentativ, aber aufschlussreich.
Vergangenen Freitag haben wir dann über die Ziele und Methoden dieser Einflussnahme gesprochen und sachlich erklärt, wie sie im Falle Israels funktioniert. Denn die israelische Public Diplomacy (auf Hebräisch als „Hasbara“ bezeichnet) empfinden die meisten Menschen hierzulande als besonders effektiv – während sie interessanterweise in Israel selbst als gescheitert gilt. Die Verbindungen und Netzwerke zwischen Politikern, Lobbygruppen und Medien zu untersuchen, hat übrigens nichts mit dem antisemitischen Topos der „jüdischen Weltverschwörung“ zu tun, sondern ausschließlich mit der strategischen Kommunikation von Staaten. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn der brutale anti-jüdische Anschlag in Sydney hat gerade gezeigt, wie problematisch die zunehmende Vermischung von jüdischem Leben weltweit mit der Politik des Staates Israel ist.
Unsere Diskussion mit Dr. Renate Dillmann, Fabian Goldmann, Gil Shohat, und Nadia Zaboura können Sie sich hier ansehen.
Im Januar geht es bei Zeit zu reden weiter mit dem Thema „Zivilgesellschaft unter Druck“. Am 22.01.2026 diskutieren wir mit Christina Deckwirth (LobbyControl), Riad Othman (medico international), Richard David Precht (Philosoph und Publizist) und Louna Sbou (Oyoun) über den Zustand der deutschen (Zivil-)Gesellschaft, über mediale Angriffe, drohende Kürzungen und politische Einflussnahme.
Bis dahin wünschen wir Ihnen erholsame Feiertage mit Zeit (nicht nur zu reden, sondern auch) zum Nachdenken, Sich-Besinnen und Krafttanken. Kommen Sie gut und gesund ins neue Jahr.
Herzlich grüßt das
Zeit zu reden Team
Ido Arad, Haig Ghokassian & Kristin Helberg

