Liebe Freunde,
Iran, Libanon, Palästina, Sudan – die Aktualität ist finster, die Welt ein weitgehend rechtsfreier Raum geworden. Genau deshalb sprechen wir bei Zeit zu reden am kommenden Donnerstag, den 23. April, über historisches Unrecht: den Völkermord an den Armeniern. Denn Verbrechen, die nicht aufgearbeitet werden und straffrei bleiben, setzen sich fort und wiederholen sich.
Jedes Jahr am 24. April erinnern Armenier weltweit an den Genozid, bei dem ab 1915 die armenische Bevölkerung des Osmanischen Reiches systematisch vernichtet und vertrieben wurde. Niemand wurde je zur Rechenschaft gezogen, der türkische Staat leugnet den Genozid bis heute, Deutschland als Mitwisser und Mittäter brauchte für seine Anerkennung mehr als 100 Jahre.
Viele Armenier:innen solidarisieren sich heute aktiv mit den Palästinenser:innen, denn angesichts der Verbrechen in Gaza fühlen sie sich an das Schicksal ihrer Vorfahren erinnert; die genozidale Sprache von Politikern und die Bilder von Hunderttausenden Vertriebenen ähneln sich auf erschreckende Weise. Beide Völker sprechen von Katastrophe – was für die Armenier „Yeghern“ ist für Palästinenser die „Nakba“ – und für beide ist das Leiden nicht vorbei.
Wer also verstehen will, warum Talât Paşa, einer der Hauptverantwortlichen für den Genozid an den Armeniern, bis zu seiner Ermordung durch einen armenischen Studenten unbehelligt durch Berlin spazieren konnte, was Palästinenser und Armenier verbindet und was ihre Erfahrungen unterscheidet, warum die Türkei Genozidleugnung zur Staatsdoktrin erhoben hat, was Deutschland damals wie heute zum Komplizen macht, welche Rolle die armenische Regierung, Aserbaidschan, die Türkei, Israel und Russland beim Konflikt um Arzach/Karabach spielen und was das mit geopolitischen Interessen zu tun hat, ist herzlich eingeladen, unserem exzellenten englischsprachigen Panel zuzuhören:
Zeit zu reden international: The Genocide Against the Armenians and its Significance Today
A critical discussion on historical precedents, the consequences of impunity, and lessons learned.
Spore Initiative Hermannstr. 86, 12051 Berlin
With Tessa Hoffman, Ronald Suny, und Keith Watenpaugh. Moderated by Kristin Helberg.
Zum Schluss noch ein kurzer Rückblick: Der März stand bei Zeit zu reden im Zeichen der Kunst- und Kulturfreiheit mit Veranstaltungen in Hamburg und Leipzig. Inzwischen sorgt sich auch der Menschenrechtsrat der EU um die Meinungsfreiheit in Deutschland und den Missbrauch des Antisemitismusvorwurfs zu deren Einschränkung. Zuletzt haben wir darüber ausführlich und ehrlich bei unserem Panel auf der Leipziger Buchmesse diskutiert mit den Autorinnen Esther Dischereit und Nora Haddada sowie dem Literaturwissenschaftler Tobias Haberkorn, hier geht´s zur Aufzeichnung: https://www.youtube.com/watch?v=2J1UT1wmJCw&t=21s
Falls Sie die bisherigen Podiumsdiskussionen verpasst haben (u.a. zu den Themen Staatsräson, Antisemitismus, Polizeigewalt, Muslime in Deutschland, Völkerrecht, Erinnerungskultur, Recht auf Widerstand, Palästinasolidarität, Genozid, Zivilgesellschaft, Sanktionen und Boykotte und der deutsche Kulturbetrieb und Gaza), können Sie diese auf unserem YouTube-Kanal Youtube-Link anschauen.
Weitere Informationen zu unserer Arbeit finden Sie auf unserem Instagram-Account und unserer Website www.zeitzureden.org.
Wir freuen uns auf neue und vertraute Gesichter am Donnerstag in der Spore Initiative.
Herzlich grüßt das
Zeit zu reden Team
Ido Arad, Haig Ghokassian & Kristin Helberg

