Liebe Freunde,
„Kultur in Zeiten der Staatsräson“ haben wir unser Panel auf der Frankfurter Buchmesse untertitelt, passend wäre auch „Schreiben in Zeiten von Genozid“. Denn es geht nicht nur um die Frage, was auf deutschen Bühnen gesagt, gezeigt und verhandelt werden darf und welche Begriffe dafür notwendig sind, sondern auch um die Rolle von Schriftsteller:innen und Intellektuellen selbst.
Zu Gast sind ein Autor und eine Autorin, die ähnliche Positionen vertreten und dabei scheinbar unterschiedliche Wege gehen: Behzad Karim Khani (Hund, Wolf, Schakal; Als wir Schwäne waren) und Mithu M. Sanyal (Identitti; Antichristie).
Die gefeierten Bücher der beiden sind im Hanser Verlag erschienen. Doch während Sanyal auch ihr neues Anti-Krieg-Buch (NEIN. Gegen die Militarisierung der Gegenwart) dort veröffentlicht, hat Karim Khani den Hanser Verlag verlassen. Begründung: „Ich bin nicht Schriftsteller geworden, damit mir andere sagen, was ich denken und schreiben soll.“ Sein neues Buch (Warum es keine Flucht war) – ein Gespräch mit dem iranischen Filmemacher Mohammad Rasoulof über Exil und Integrität – erscheint im November im Aufbau Verlag.
Was also ist die Aufgabe von Autor:innen in einem Land, in dem Kunst-, Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit zunehmend unter dem Vorbehalt der Israel-Loyalität stehen? Wer nimmt welche Position ein und warum? Wer wird leiser, wer lauter – und wer wird zum Schweigen gebracht?
Welche Auszeichnung schützt vor Diffamierung und Cancelling? Reicht der Heinrich-Mann-Preis, den Sanyal dieses Jahr verliehen bekommen hat und der sich für sie anfühlt „als würde Heinrich Mann seine schützende Hand über mich legen“? Oder braucht es den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, um – wie Navid Kermani – Rekruten der Bundeswehr im Falle von völkerrechtswidrigen Kriegen Befehlsverweigerung nahezulegen? Was leitet unser Denken und Schreiben – das Grundgesetz, unser Gewissen? Und ist das Ergebnis in beiden Fällen der von Carolin Emcke in ihrem neuen Buch (Was zählt ein Mensch?) postulierte „radikale Humanismus“?
Um solche und ähnliche Fragen geht es an diesem Sonntag, den 11. Oktober 2026 um 10 Uhr auf der Dialogue Stage (Foyer 4.0) der Frankfurter Buchmesse – kommen Sie vorbei oder verfolgen Sie unser Gespräch im Livestream auf YouTube.
Zeit zu reden: Freiheit unter Vorbehalt?
Kultur in Zeiten der Staatsräson
Auf Deutsch
11. Oktober 2026, 10:00 – 11:00
Frankfurter Buchmesse, „Frankfurt Calling“, Dialogue Stage (Foyer 4.0)
Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60327 Frankfurt am Main
Auf YouTube können Sie sich auch unser sehr aufschlussreiches englisches Panel über die palästinensischen Staatsbürger Israels von letzter Woche anschauen (nein, es sind keine „arabischen Israelis“). Mit dem Historiker Sleman Altehe, der Soziologin Himmat Zoubi und der Juristin Sawsan Zaher diskutierten drei palästinensische Expert:innen über das Thema – alles ist möglich, wenn man es richtig anstellt, auch in Deutschland.
Unsere bisherige Arbeit und die nächsten Veranstaltungen finden Sie auf der Website www.zeitzureden.org, außerdem können Sie uns auf unserem Instagram-Account, auf Facebook und LinkedIn folgen.
Feedback, Kritik, Anregungen oder Unterstützung jeglicher Art gerne an info@zeitzureden.org.
Herzlich grüßt das
Zeit zu reden Team
Ido Arad, Haig Ghokassian & Kristin Helberg

